Presseauszüge


Fahrschüler lernen die Langsam-Masche


Mit Schritt-Tempo auf die ganz sichere Tour: Dies bringt Deutschlands einzige Langsam-Fahrschule ihren Schülern bei. Sie sitzt in Kreuzberg und Lichterfelde, ihr Name ist Programm: "Verkehr human".
In einem grünen Opel zeigt Fahrschülerin Silke Nawroth (20), was sie gelernt hat. Im ersten Gang rollt die Studentin ganz laaangsam durch eine Lichterfelder Nebenstraße. Ein Mann am Straßenrand wundert sich über so viel Rücksicht. "Meine Schülerin macht das ganz richtig. Wozu Gas geben? Hier ist Tempo-30-Zone", erklärt Fahrlehrer Lothar Taubert, bei dem auch Friederike Momper (Tochter von Walter Momper) den Führerschein machte.
Silke könnte auf dem Hindenburgdamm Gas geben. Denkste. "Tempo 40 im fünften Gang", sagt ihr Taubert. Die Nadel des Drehzahlmessers zeigt auf die 1500er Marke. Schäden für Motor und Getriebe - Taubert verneint: "Wir fahren niedrigtourig - also mit weniger Lärm und Benzinverbrauch - und kommen trotzdem schnell vorwärts. Rasen hat doch in Berlin keinen Sinn, man sieht sich doch sowieso an der nächsten Ampel wieder."

Sicher mit der "sanften Tour"

Fahren auf die "sanfte Tour" - dies rät auch Verkehrsexperte Wolfgang Klang (49). Er ist Polizeidirektor im Berliner Landesschutzamt. "Rücksichtsvolles und vorausschauendes Fahren - so wie es ,Verkehr human' ihren Fahrschülern beibringt, ist wichtig. Es wäre schön, wenn es mehr von solchen Fahrschulen gäbe."
Der Experte fordert dazu Nachprüfungen bei Fahranfängern. Klang ist die Raser-Krankheit und aggressive Fahrweise der Berliner Autobesitzer ein Dorn im Auge. "Besonders frühmorgens. Da ist man spät aufgestanden, will pünktlich auf Arbeit sein - und versucht mit Raserei verlorene Zeit einzuholen."