Presseauszüge


Abrüstung am Steuer


Autorin: Claudia Braun (Nr. 16 /1997)

Verkehr: Eine Fahrschule lehrt Ökobilanz und Soziologie


Christoph Bauer, 23, ist zufrieden: Er ist der erste Fahrschüler, der in der Kreuzberger Akademie und Fahrschule "Verkehr human" seinen Führerschein gemacht hat.
"Verkehr human", im April gegründet, möchte durch die Vermittlung einer umweltschonenden und gelassenen Fahrweise zur Humanisierung des Straßenverkehrs beitragen. Konkret: Die Fahrschüler pauken nicht nur Verkehrsregeln, sondern sollen sich auch Gedanken zum Straßenverkehr machen, die manchmal fast schon philosophischer Natur sind. So werden die "Bewaffnung mit dem Auto" und die "Entdeckung der Langsamkeit" diskutiert, Ökobilanzen erstellt sowie über Alternativen zum Auto nachgedacht. Der praktische Teil der Ausbildung lehrt dann Fahren unter umweltschonenden Gesichtspunkten; dazu gehört beispielsweise Anfahren mit wenig Gas, bei frühestmöglicher Drehzahl hochzuschalten und im Stadtverkehr im höchstmöglichen Gang zu fahren.
Lothar Taubert, Inhaber von "Verkehr human", sammelte bereits an der Technischen Universität als ehemaliger Lehrbeauftragter und Fahrlehrer der "Arbeitsstelle für verkehrspädagogische Forschung und Lehre" Erfahrungen im Bereich der Fahrschulausbildung. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden hier neue Konzepte für eine umweltbewusste und sozialkompetente Fahrschulausbildung für jugendliche Verkehrsteilnehmer erarbeitet. "90 Prozent der 18 - 25jährigen besuchen eine Fahrschule. Obwohl diese Altersgruppe nur 16 Prozent der Gesamtbevölkerung darstellt, sind sie für 33 Prozent aller Autounfälle verantwortlich", sagt Taubert zum Forschungsbedarf. An der Unifahrschule war es den Probanden möglich. gleichzeitig auch die Fahrerlaubnis zu erwerben. Diese praxisnahe Ausbildung des Projektes war europaweit die einzige Einrichtung dieser Art. Doch auch hier zeigten die Einsparungen an den Berliner Universitäten ihre Wirkung. Die "Arbeitsstelle für verkehrspädagogische Forschung und Lehre" ist bereits aufgelöst, das Forschungsprojekt läuft in diesem Jahr aus, weil Unterrichtsräume und Geld fehlen.