Verkehrserziehungskurs "Close to" - Berlin Kreuzberg

Verkehrserziehungskurs

Das Modul Close to (CT) ist ein Baustein für den theoretischen Unterricht an Fahrschulen. Er soll den Fahrlehrer dabei unterstützen, die Risikobereitschaft junger Fahranfänger im Unterricht nachhaltig zu bearbeiten und in diesem Zusammenhang auch emotionale und soziale Einflüsse zu thematisieren.

Das wesentliche Element des Bausteins besteht darin, dass ein junger Verkehrsstraftäter (Peer Mentor, PM) im Unterricht seine Deliktgeschichte erzählt (Motive, Tatumstände, Konsequenzen persönliche Schlussfolgerungen). Im anschließenden, vom Fahrlehrer moderierten Gruppengespräch sollen die Fahrschüler neben ihren Kommentaren und Fragen an den Peer Mentor auch eigene Überlegungen und Risiko-Erfahrungen einbringen und diskutieren.

Der junge Verkehrsstraftäter ist zwischen 16 und 24 Jahren alt und gehört damit zur gleichen Altersgruppe wie die meisten der Fahrschüler. Das erklärt auch den Namen des Unterrichtsbausteins:

"Close to" bedeutet "nah dran". Der Peer Mentor ist altersbedingt näher an der emotionalen Befindlichkeit junger Fahranfänger, näher an ihrer Sprache und näher an ihren alterstypischen Gruppenprozessen und Erlebnissen als der typische Fahrlehrer. Die englische Bezeichnung wurde gewählt, da Close to im Rahmen eines internationalen EU-Projekts entwickelt wurde und nunmehr in 11 europäischen Ländern umgesetzt werden soll.

Wie funktioniert die Umsetzung von Close to?
In Absprache mit dem Berliner Fahrlehrerverband wird Close to, also die Vorstellung seiner Deliktgeschichte durch einen Peer Mentor, in den Fahrschulen entweder in die Unterrichtslektion "Risikofaktor Mensch" oder in die Lektion "Lebenslanges Lernen" eingegliedert. Der Peer Mentor und seine Geschichte sind für den unterrichtenden Fahrlehrer dabei ein Unterrichtsmedium, das einen authentischen Einstieg in die Diskussion über jugendliches Risikoverhalten ermöglicht. Die Rolle des Fahrlehrers besteht dabei in erster Linie in der Situations- und Gesprächsmoderation.

Die organisatorische und inhaltliche Abstimmung von Close to erfolgt über den eigens dafür gegründeten Verein Verkehr human e.V. in Berlin. Damit ein Peer Mentor in einer Fahrschule zum Einsatz kommen kann, sind folgende Schritte notwendig:

  • Zuweisung junger Verkehrsstraftäter durch Jugendgerichte/Jugendgerichtshilfen an Verkehr human e.V.
  • Vorgespräch mit dem Jugendlichen
  • Zweitägiger Vorbereitungskurs der jungen Verkehrsstraftäter
  • Organisation und Terminabstimmung der Fahrschulbesuch
  • Abschlussgespräch mit dem Jugendlichen
  • Teilnahmerückmeldung an die zuweisenden Jugendgerichte/Jugendgerichtshilfen



Welche konkreten Erfahrungen mit Close to gibt es bereits?
In Berlin wird Close to seit dem Jahr 2005 in guter Kooperation mit dem Berliner Fahrlehrerverband und mit ca. 25 Berliner Fahrschulen regelmäßig umgesetzt. Seitdem wurden von Verkehr human e.V. mehr als 350 junge Verkehrsstraftäter auf ihre Rolle als Peer Mentors vorbereitet. Insgesamt haben diese über 700 Mal den theoretischen Fahrunterricht an Berliner Fahrschulen besucht, ihre Deliktgeschichte vorgetragen und sich der Diskussion mit den Fahrschülern gestellt. Die Zahl der mittlerweile erreichten Fahrschüler dürfte bei etwa 7000 liegen.

Die Anforderung an die jungen Verkehrsstraftäter, sich vor Fahrschülern über die eigene Deliktgeschichte zu äußern, hat sich entgegen zahlreicher Anfangsbefürchtungen nicht als zu hoch erwiesen. Vielmehr haben bislang alle Peer Mentors diese Aufgabe erfüllt. Noch ist
der für junge Verkehrsstraftäter innovative Rehabilitations- und Bildungsansatz Close to nicht bei allen Berliner Jugendrichtern und Jugendgerichtshilfen bekannt. Die Rückmeldungen von den bereits kooperierenden, juristischen Instanzen sind jedoch durchweg positiv.

In Abhängigkeit vom jeweiligen Inhalt der Deliktgeschichte, von der Person des Peer Mentors und vom Engagement der jeweiligen Fahrschülergruppe gibt es deutliche Unterschiede bei der konkreten Umsetzung des Unterrichtselements Close to im Fahrschulunterricht. Den methodischen Ansatz begrüßen die beteiligten Fahrlehrer gleichwohl durchweg als Bereicherung ihres Unterrichts.

Die Gesprächsbeiträge der Fahrschüler sind erfahrungsgemß sehr unterschiedlich. Manche Fahrschüler äußern ihr Unverständnis für bestimmte Verhaltensweisen, andere bringen eigenes Risikoverhalten offen in die Diskussion ein. Immer zeigen sich die Fahrschüler betroffen von den emotionalen, wirtschaftlichen und rechtlichen Folgen, die unreflektiertes und riskantes Verhalten im Straßenverkehr für den Verursacher mit sich bringt. Befragungsergebnisse von Fahrschülern im ersten Pilotprojekt (Close to, 2004- 2006) belegen, dass dieser Unterrichtsbaustein bei den Fahrschülern starken Eindruck hinterlassen und das eigene Risikobewusstsein nachhaltig unterstützen kann.

Was sind die Ziele von Close to?
In allen europäischen Ländern sind junge Fahranfänger die Gruppe mit besonders hoher Unfallbeteiligung. Das liegt auch daran, dass vor allem männliche Jugendliche dazu neigen, höhere Risiken beim Autofahren einzugehen. Häufig tun sie dies auch wider besseres Wissen, das viele aus einer guten Fahrausbildung mitbringen. Die Ursachen liegen meist in dem Gefühl, sich vor anderen und vor sich selbst als Könner und als cooler Fahrer beweisen zu müssen. Ihr Mangel an Fahrerfahrung steht bei zahlreichen Jugendlichen in krassem Widerspruch zu ihrem Bestreben, das Gegenteil zu demonstrieren.

Derartige Widersprüche aufzudecken, junge Fahranfänger zu sensibilisieren für alterstypische Risiken, sie wacher zu machen für die Faktoren, die ihr Verhalten beeinflussen und ihren Blick auf sich selbst zu schärfen, das sind die Ziele von Close to. Letztendlich geht es darum, die Fähigkeiten und die Bereitschaft zur Selbstkontrolle zu fördern.

Diese Ziele lassen sich nicht im klassischen Sinne erlernen wie Verkehrsregeln oder Bedienungsabläufe. Vielmehr müssen dafür Bildungselemente entwickelt und eingesetzt werden, die bei den Fahrschülern eine verstärkte Auseinandersetzung mit der eigenen Person in Gang setzen können, beispielsweise:

  • Wie will ich von außen wahrgenommen werden?
  • Wann reagiere ich emotional?
  • In welchen Situationen sind mir die Folgen ziemlich egal?
  • Was hilft mir bei der Selbstkontrolle?


Um solche Prozesse zu fördern, musste Close to das Rad nicht neu erfinden sondern konnte auf erfolgreiche, methodische Ansätze aus anderen Lebens- und Lernbereichen zurückgreifen. So hat sich in der Drogenprävention der Einsatz von ehemals selbst Betroffenen bewährt (authentische Konfrontation) und aus erziehungswissenschaftlichen Untersuchungen kennt man die günstigen Effekte des Einsatzes von Gleichaltrigen (Peers)

Insgesamt gesehen bietet Close to einen neuen sozialpädagogischen Ansatz zur Risikoprävention, der sowohl im Rahmen der allgemeinen Fahrausbildung wie auch im Rahmen des Angebots der Jugendgerichtshilfen für junge Verkehrsstraftäter zu Tragen kommt. Damit schlägt Close to gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe:

Verkehrsstraftäter setzen sich aktiv mit ihrer Straftat auseinander und machen ihre Erfahrungen für die Fahrausbildung nutzbar Fahrschüler erfahren die Folgen riskanten Fahrverhaltens aus erster Hand und werden dabei unterstützt, sich des eigenen Risikopotentials als junge Fahranfänger bewusst zu werden (Präventionsaspekt).

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